Die Geschichte des Kloster Eberbaches

1116

Ansiedlung von Augustiener Chorherren durch Erzbischof Adalbert von Mainz

1131

Benediktiner der Abtei Johannisberg bekommen durch Erzbischof Adalbert nach Aufgabe der Augustiner die Anlage übertragen

1135

Erzbischof Adalbert erwirbt das Gelände von den Benediktinern, um es dem heiligen Bernhard für eine Gründung des Zisterzienser Ordens zu übertragen.

1136

Die vom heiligen Bernhard entsandten Mönche erreichen am 13. Februar das Kisselbachtal.

Klosterlegende:
"Als die ersten Mönche das Kisselbachtal erreichten, lief ein Eber vom Wald herab, sprang dreimal über den Kisselbach und soll anschließend mit seinen gewaltigen Hauern die Umrisse der Abtei eingezeichnet haben".

An der Stelle, an welcher der Eber den Bach übersprang, wurde die Kloster Kirche errichtet und auf den Umrissen die Klostermauer. Damit war der Grundstein für eine der ältesten und größten Zisterzienser Abteien in Deutschland gelegt.

1142

Gründung der ersten Tochterfilation das Kloster Schönau bei Heidelberg.

1145

Gründung des Tochterkloster Otterberg in der Pfalz

1155

Gründung des Tochterklosters Val-Dieu (Gottesthal) bei Lüttich/Belgien.

1170

Eberbacher Mönche legen ihren bedeutendsten und ruhmreichsten Weinberg den Steinberg an.

1174

Als letzte Tochtergründung wurde das Kloster Arnsburg in der Wetterau/Mittelhessen gegründet.

1186

Die Klosterkirche wird feierlich geweiht

12. - 13. Jhr

Blütezeit der Eberbacher Mönche mit bis zu 150 Mönchen und der vierfachen Anzahl von Laienbrüdern.

13.-15. Jhr

Die Wirtschaftstruktur des Klosters wird durch soziale und religiöse Einflüsse stark verändert. Die autarke eigen Versorgung wird durch Verpachtung verändert. Die Mönche wenden sich von ihrer harten körperlichen Arbeit ab und geben sich der seelsorgerischen und wissenschaftlichen Arbeit hin.

1525

Die Rheingauer Bevölkerung lehnt sich gegen Ihren Landesherren den Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg auf. Die Aufständigen plündern im Kloster Eberbach und leeren das große Eberbacher Weinfaß, das nach den Berechnungen von Dr. Josef Staab 71400 l Fassungsvermögen hatte.

16.-17. Jhr

Die sozialen und theologischen Veränderungen dieser Zeit bringen das Kloster in starke Bedrängnis

1631-35

Der 30. jährige Krieg zieht nicht unbeschadet am Kloster Eberbach vorbei. Schwedische Truppen besetzen den Rheingau und wählen Kloster Eberbach zu ihrem Hauptquartier. Die Mönche fliehen nach Köln, hier besitzen sie einen wichtigen Handelshof. Die Schweden stehlen auf ihrem Rückzug die mittelalterliche Bibliothek des Klosters.

18. Jhr

Dieses Jahrhundert bringt dem Eberbacher Kloster noch einmal einen wirtschaftlichen Aufschwung. Barocke Ergänzungs- und Umbauarbeiten verändern in kleinen Teilen das mittelalterliche Klosterbild. Gravierendste Veränderung erfolgt mit Abriß des mittelalterlichen Mönchrefektoriums und Neuerrichtung im modernen Barock.

1803

Im September übernimmt Fürst Friedrich von Nassau-Usingen als weltlicher Eigentümer die Besitzungen des Klosters im Rheingau. Der Weinbaubetrieb im Rheingau wird durch die Nassauer fortgeführt

1866

Kloster Eberbach wird preußisch. Die preußische Domänenverwaltung führt den Weinbaubetrieb fort.

1929-39

Erste Sanierungsarbeiten werden im Kloster durchgeführt

1945

Kloster Eberbach kommt in den Besitz des Landes Hessen. Die hessischen Staatsweingüter über nehmen die Verwaltung des Klosters und der Weinberge.

1986

850 Jahrfeier Kloster Eberbach und Beginn der Generalsanierungsarbeiten die bis spätesten 2005 abgeschlossen sein sollen.

1995

Eröffnung des Eberbacher Abtei Museums.

1998

Kloster Eberbach wird Stiftung. Die hessische Landesregierung trennt den Weinbaubetrieb vom Kloster. Die hessischen Staatsweingüter werden in einen Wirtschaftsbetrieb des Landes übergeleitet. Kloster Eberbach kommt unter die Verwaltung der neugegründeten Stiftung Kloster Eberbach.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abt Bernhard von Clairvaux (1090-1153)

B. lehrend in seinem Kloster

Bernhard, ein großer Zisterziensierabt , scharfer Polemiker und mächtigster Mönch des 12. Jahrhunderts, verstand unter Mönchtum ein Leben strikten Gehorsams und äußerster Selbstverleugnung, was persönliche Bequemlichkeit, Ernährung und Schlaf anlangte. Von missionarischem Geist erfüllt, neigte er dazu, sich überall einzumischen, wo klösterliche Lebensgewohnheit, liturgische Praxis und religiöse Haltung es seiner Auffassung nach an der nötigen Strenge und Konzentration aufs Wesentliche vermissen ließen. Gegen theologische Abweichler ging er mit großer Härte vor. 

Dem Abt Suger von Saint Dennis, der zwar durchaus für Disziplin und Mäßigung, aber entschieden gegen Unterwerfung und Asketentum war, konnte es nicht gleichgültig sein, wie Bernhard, der auf den Papst großen Einfluß hatte, über seine Abtei dachte.

Bernhard und Suger waren potentielle Kontrahenten. Indem sie erkannten, wie sie sich als Feinde gegenseitig schädigen konnten - der eine als Ratgeber der Krone..., der andere der Mentor des Heiligen Stuhles... -, beschlossen sie, Freunde zu sein. 

Die Polarität der Abte Suger und Bernhard spielte möglicherweise auch beim Neubau der Abteikirche von St-Dennis eine Rolle, was damit zusammenhing, daß Suger eine große Leidenschaft für sakrale Bilder und Kirchenschmuck aller Art besaß, für Gold, Email, Edelsteine, überhaupt alles strahlend Schöne, wozu besonders farbige Kirchenfenster zählten. 

Bernhard hingegen verurteilte solchen Zierrat, nicht weil er für ihren Reiz unempfänglich geworden wäre, wohl aber weil er darin ein Ablenkung vom frommen Gedanken, Gebet und Meditation der Mönche sah. Den im 12. und 13. Jahrhundert überall in Europa in großer Zahl entstehenden Zisterzienserklöstern und -Kirchen oblag denn auch eine Bauweise, die von zahlreichen Vorschriften im Geiste Bernhards - insgesamt also einer Ästhetik der Klarheit - geprägt war. Der expandierende Zisterzienserorden spielte eine bedeutende Rolle bei der europaweiten Ausbreitung der Gotik, weil er technischen Verbesserungen gotischer Konstruktionsprinzipien gegenüber aufgeschlossen blieb und innovativ war.


Die Entwicklung des Zisterzienserordens
im 12. Jahrhundert

Im Jahre 1075, gründet Robert von Molesme, in Burgund die Abtei Molesme. Robert, als Benediktiner Abt, konnte sich aber nicht mit dem Leben der Benediktiner in Reichtum und Macht erfreuen. Sein Idealbild eines Kloster lag abseits der weltlichen Macht. So wollte er wieder zum Ursprungsgedanken "ora et labora", des heiligen Benedikts (um 520 n.Chr.) zurückkehren. Dank der Unterstützung durch Hugo von Die, des Erzbischof von Lyon, der gleichzeitig auch päpstlicher Legat in Frankreich war und des Herzoges Odo von Burgund, konnte Robert 1098 mit 21 getreuen, darunter Alberich und Stephan Harding, ausziehen ein neues Kloster zu gründen. Sie ließen sich im Tal der Saone südlich von Dijon nieder. Damit war der Grundstein für Citeaux und den Zisterzienser Orden gelegt. Der Name des neuen Ordens könnte sich vom Namen der alten Römerstraße, "diesseits des dritten Meilensteins (lat. cis tertium lapidem milarium)" ableiten, die dort entlang führte.

Auf Geheiß des Bischofs von Lyon, mußte Robert 1099 Citeaux wieder verlassen und nach Molesme zurückkehren. Alberich den Robert zum Prior ernannte, folgte Robert als Abt von Citeaux. Alberich verlegte den Klosterbau noch etwas südlicher und begann mit dem Bau der ersten kleinen Kirche aus Stein. Ihm ist es auch zu verdanken, daß der Papst das Kloster am 19. Oktober 1100 unter seinen persönlichen Schutz stellte. Er setzte auch durch, daß die Mönche nur ungebleichte und ungefärbte Wolle verwendeten, was Ihnen auch den Beinamen weiße Mönche einbringen sollte.

 

Nach Alberichs Tod im Januar 1109 wurde Stephan Harding zum dritten Abt von Citeaux gewählt. Dieses Amt sollte er bis ein Jahr vor seinem Tod im Jahr 1134 begleiten. In den Jahren 1113 bis 1115 wurden unter seiner Regentschaft vier neue Tochtergründungen durchgeführt, darunter auch die bedeutende Abtei Clairvaux. Mit Bernhard von Clairvaux, dem Gründer und ersten Abtes von Clairvaux, sollte der große Aufschwung des Ordens beginnen. Bernhard gründete über 70 neue Klöster und predigte den zweiten Kreuzzug 1147. Ein Jahr vorher wird ein Mönch aus Clairvaux zum Papst Eugen III gewählt. Im 12. Jahrhundert wuchs der Zisterzienserorden zum bedeutendsten Orden des Abendlandes an. Der Orden verbreitete sich rasant und Bernhard, wurde nach seinem Tode 1153, im Jahr 1174 durch Papst Alexander III heilig gesprochen. Papst Pius VIII ernennt ihn 1830 zum Kirchenlehrer.

Eine wichtige Neuerung des Ordens war die Einführung des Generalkapitels. Hier sollten sich jährlich alle Äbte versammeln, um gemeinsam die weitere Entwicklung des Ordens zu besprechen. Neben den Regel über das Gebet und Leben wurde hier auch die bauliche Entwicklung festgelegt. Dabei sollte die Schlichtheit und Einfachheit im Vordergrund stehen, an die heute noch viele mittelalterliche Klöster des Zisterzienserordens erinnern (neben Eberbach zum Beispiel Le Thoronet - Frankreich, Fossanova - Italien und Jerpoint - Irland).