Das Spitzhäuschen.
Kein Haus, kein Erker, keine Gasse in der schönen Stadt
Bernkastel, auch nicht der Michaelsbrunnen und nicht das Rathaus, kein anderes
Bild der an Motiven wahrlich nicht armen Altstadt wird so oft durch ein Foto
oder eine Zeichnung zur Erinnerung festgehalten wie das "Spitzhäuschen" am
Eingang der Karlstraße, das diese Bevorzugung seines Alters und seines
Charakters wegen aber auch verdient. Die fremden Gäste stehen entzückt vor dem
malerischen Häuschen und richten die Kamera darauf.
Dieses alte Baudenkmal
in der Stadt erhielt im Jahre 1914 seinen alten Schmuck, indem mit Mitteln von
Heimat- und Altertumsfreunden und teilweiser Unterstützung des staatlichen
Heimatschutzes das Fachwerk wieder freigelegt wurde.
1583 steht an seiner
Front zu lesen; es wird das Baujahr sein, obwohl es seinem Aussehen nach noch
beträchtlich zurück ins Spätmittelalter reichen könnte, als man noch ohne Erker
baute und den Balken, Rahmen und Freigebinden zwischen den Geschossen noch
keinen Schnitzschmuck gab und das Dach noch gotisch in die Höhe gereckt wurde
wie ein übertrieben spitzwinkeliges Dreieck.
Es war daher aufschlussreich,
in Erfahrung zu bringen, ob die vermutete Datierung (1583) zutreffend ist; die
einfache Gestaltung des Schwebegiebels spricht eher für ein früheres
Errichtungsjahr - oder man müsste in diesem Fall das Weiterleben alter Formen
und Stilverzögerungen motivieren. Auf festem Sockel steht es schmal in seinem
Winkel am Gasseneingang zur früheren Cordelsgasse (von cortellum = kleines
Hofgut), die dann über Cardelgasse zur heutigen Karlstraße wurde.
Das auf
schmalem Unterbau stehende, dann stark vorkragende "Spitzhäuschen" hat eine
nebeneinandergestaffelte Reihe von Knaggen, die alle Balkenköpfe unter den
Ständern stützt. An der Traufseite besitzt es lange Streben, an der Giebelwand
aber nur Fußstreben. Dieses schlichte Kellergeschoss aus Schieferstein, zu dem
eine grüne Tür einlässt, trägt ein schmales, balkenreiches Erdgeschoss, worauf
noch ein gediegenes Fachwerkgeschoss sitzt, das nach den drei Außenseiten
vorgebaut ist und zur Straße hin weit überhängt.
Anmerkung
Heute wird das Spitzhäuschen als Weinstube genutzt. Der Besitzer
bietet hier seine eigenen, mehr als guten Weine an. Der Sohn, Peter Schmitz und
seine Frau Claudia führen das Weinlokal vorbildlich und das Einkehren ist ein
Muss eines jeden Bernkastel Besuches.